Glossar > Glossar

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  "title": "Glossar",
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    {
      "title": "Gendersensibilität",
      "definition": "Kindern lernen im Alter von 2 bis 3 Jahren, dass in unserer Gesellschaft die Unterscheidung in Mädchen/Frauen und Jungen/Männer eine grosse Bedeutung hat. Die meisten von ihnen entwickeln den Wunsch, zu einer dieser beiden Gruppen zu gehören. Je stärker ausgeprägt der Wunsch ist, umso grösser ist die Bereitschaft, das eigene Erleben und Verhalten geschlechterstereotypen Erwartungen anzupassen. Diese Wechselwirkung zwischen individuellen Anlagen und kulturellen Anforderungen ist der Kern des Sozialisationsprozesses, den alle Kinder durchlaufen. Die jungenspezifische Problematik besteht darin, dass gesellschaftliche Männlichkeitsanforderungen Erlebens- und Verhaltensweisen nahelegen oder einfordern, die nachweislich gesundheitsgefährdend und gewaltbegünstigend wirken (z.B. weil Risikofreude und aggressive Selbstbehauptung als «männlich» bewertet werden). Besonders im Jugend- und jungen Erwachsenenalter verhalten sich deshalb viele Jungen und Männer «problematisch». OH BOY* unterstützt sie dabei, ihr eigenes Mannsein so zu gestalten, wie es zu ihnen passt – und die Kompetenz zu entwickeln, problematische Männlichkeitsnormen als solche zu erkennen und einen bewussten Umgang mit ihnen zu erlernen."
    },
    {
      "title": "geschlechterreflektiert",
      "definition": "ist der Oberbegriff für geschlechtersensibles und geschlechtertransformatives fachliches Wirken.<br />\n<br />\nGeschlechtssensible Programme erkennen die spezifischen Bedarfslagen von Jungen/Männern und Mädchen/Frauen an, die sich aus der sozialen Konstruktion der Geschlechterrollen ergeben. Sie versuchen aber nicht unbedingt, Geschlechterrollen und -verhältnisse zu beeinflussen oder zu verändern.<br />\n<br />\nGeschlechtertransformative Programme streben an, Geschlechterverhältnisse zu verändern, indem individuelle Einstellungen, institutionelle Praktiken und breitere soziale Normen hinterfragt werden, welche Geschlechterungleichheiten und -verletzlichkeiten schaffen und verstärken."
    },
    {
      "title": "Intersektionalität",
      "definition": "Geschlecht ist eine zentrale, aber lange nicht die einzige Kategorie, die einen massiven Einfluss darauf hat, welche Position, Akzeptanz, Teilhabe und Chancen ein Mensch im Leben hat. Andere sind beispielsweise Armut, Bildung, Hautfarbe, Sprache, Religion oder Körper. Die Berücksichtigung aller potenziellen Diskriminierungen wird als Intersektionalität bezeichnet. In unserer Arbeit mit Jungs verpflichten wir uns einer intersektionale Perspektive. Damit verbinden wir den Anspruch, sensibel zu sein für die Komplexität von Benachteiligungskonstellationen, wie sie die gesellschaftliche Wirklichkeit hervorbringt, und dieser methodisch und fachlich Rechnung zu tragen. "
    },
    {
      "title": "patriarchale Männlichkeit",
      "definition": "Unsere Gesellschaft ist androzentrisch geprägt. Das beschreibt den Umstand, dass  ›das Männliche‹ (z. B. der männliche Blick oder der männliche Körper) die Norm darstellt, ohne dass diese Setzung thematisiert, hinterfragt und/oder sichtbar gemacht wird. Die männliche Perspektive gilt als neutral und universal, die weibliche Perspektive dagegen als Abweichung und Sonderfall.<br />\n<br />\nPatriarchale Männlichkeit bezeichnet ein traditionelles Rollenbild, in dem<br />\nMännlichkeit mit Macht, Stärke und Überlegenheit über Frauen und „weiblich“ assoziierte Eigenschaften gleichgesetzt wird. Es handelt sich um eine verinnerlichte Erwartungshaltung, wie ein Mann zu sein hat, um in einer männerdominierten Gesellschaftsstruktur zu bestehen."
    },
    {
      "title": "Patriarchatskritik",
      "definition": "Feministische Theorie und Geschlechterforschung belegen, dass es keinen Bauplan des Geschlechtlichen gibt, der sich in allen Epochen und Kulturen «von Natur aus» entfaltet. Vielmehr sind auch Männlichkeitsvorstellungen immer stark geprägt von Zeitgeist und Herrschaftsinteressen. So zeigt die historische Forschung beispielsweise, wie die Verbindung von Männlichkeit mit Wehrhaftigkeit und gewalttätiger Selbsthauptung eng verflochten ist mit nationalstaatlichen Interessen an männlichem Soldatentum. Die Fachstelle OH BOY<em> versteht es als fachliche Verpflichtung, in der Arbeit mit Jungs spür- und sichtbar zu machen, wie Männlichkeit bis heute durch unser patriarchales Erbe geprägt und strukturell verankert ist. Unabhängig davon, ob der einzelne Junge oder Mann dies bemerkt oder gut findet, trägt er deshalb unweigerlich zur Reproduktion patriarchaler Männlichkeit bei. Dies zu erkennen ist die Grundlage, damit Jungen und Männer (gewalt-)freier handeln und gesünder leben können. Umgekehrt bedeutet das auch: Wir betrachten «schwierige» Jungs nicht nur als individuelle Problemverursacher. Wir nehmen vielmehr stets einen systemischen Blick ein, der soziales Umfeld und strukturelle Rahmenbedingungen gleichermassen «auf dem Radar hält». OH BOY</em> verfolgt so einen primärpräventiven Ansatz: Wir bearbeiten die Wurzeln problematischer Männlichkeitsvorstellungen auf allen Ebenen – und sind nicht bereit, das Problem auffälligen oder marginalisierten Jungen zuzuschieben."
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    {
      "title": "Peergroup",
      "definition": "Eine Peergroup ist eine soziale Gruppe mit großem Einfluss, der sich ein Individuum zugehörig fühlt. Ganz allgemein wird die Bezeichnung Peergroup für eine Freundesgruppe mit großem Einfluss gebraucht, in der ein Gefühl der Zugehörigkeit entsteht durch Gemeinsamkeiten im: Alter, Entwicklungsstand, Interessen oder anderen Merkmale. Die Peergroup gewinnt im Jugendalter an Bedeutung. Sie definiert (ausgesprochen oder unterschwellig) Standards des Verhaltens und schafft Vorbilder."
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      "title": "Rassismuskritik",
      "definition": "Gerade wenn es um Gewalt geht, wird in öffentlichen Debatten und auch in Teilen der wissenschaftlichen Auseinandersetzung häufig ein Narrativ reproduziert, das Gewalt nicht mit Männlichkeit als Strukturmerkmal, sondern mit vermeintlicher «kultureller Andersartigkeit» bestimmter Männer-/Täter(gruppen) verknüpft. Gewalt wird so externalisiert, ethnisiert und migrantisiert. Damit kann die Auseinandersetzung mit dem Umstand abgewehrt werden, dass Männlichkeitsnormen auch in unserer Kultur Gewalt legitimieren, begünstigen oder sogar einfordern. Sensibel zu sein auf solche Prozesse des «Otherings» ist ein Merkmal, das rassismuskritische Perspektiven auszeichnet, wie sie auch die Fachstelle OH BOY* einnimmt."
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      "title": "Übergriffe",
      "definition": "Unter Jungs kann werden Konflikte häufig mit Gewalt oder gewaltvoller Kommunikation ausgetragen. Der Weg vom Bauch zur Faust ist oft kurz. Unter «Übergriff» versteht die Fachstelle OH BOY alle Vorfälle, bei denen die Grenzen des Gegenübers übergangen werden und die Situation als gewaltvoll erlebt. Das beinhaltet nicht nur körperliche Gewalt, sondern auch Mobbing oder sexuelle Belästigung.<br />\nBei einem Übergriff ist eine Intervention wichtig. Diese soll aber nicht einfach bestrafen, sondern bessere Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und Empathie, Respekt und Gleichwertigkeit als zentrale Wertefördern.<br />\n<br />\nWenn Jungen lernen, ihre Emotionen besser wahrzunehmen und einzuordnen, werden ihre Handlungsoptionen grösser. Wenn der Weg vom Bauch über den Kopf führt, gelingt es öfter, nicht die Faust zu machen, sondern die Hand auszustrecken."
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