Methodenkoffer
Methoden für unterschiedliche Settings und Fragen – geschlechterreflektiert und praxiserprobt.
Ziel: Erkennen und Benennen von Gefühlen
Ort: drinnen oder draussen
Material: Gefühlsmonster
15 – 30 min
Ein friedliches Miteinander in einer Gruppe oder Gemeinschaft gelingt besonders dann, wenn Jungs lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken. Jungs fällt es oft schwer, ihre Emotionen frühzeitig zu benennen. Häufig schlucken sie Kränkungen oder Verletzungen zunächst herunter – bis sie sich in Wut entladen. In solchen Momenten zeigen sie ihre Gefühle dann oft nur noch über aggressive Worte oder Verhalten. Umso wichtiger ist es, ihnen Wege zu zeigen, wie sie schon vorher spüren und mitteilen können, was in ihnen vorgeht.
Ziel: Verbundenheit und Empathie fördern
Ort: drinnen in grossem Zimmer/ Raum
Material: Stühle
15 – 30 min
Scham ist eine essenzielle Emotion in der Sozialisation von Jungen. Diese Emotion gilt es als Junge oft unbedingt zu vermeiden, denn sie ist mit Scheitern und dem Gefühl verbunden, nicht zu genügen. Gleichzeitig ist es aber genau diese Emotion, die Jungen häufig einsam macht. Sie haben das Gefühl, mit ihrer Scham alleine zu sein. Um Verbundenheit unter Jungs zu ermöglichen, ist es deshalb notwendig, Scham anzusprechen und gemeinsam zu bearbeiten.
Ziel: Entlastung von Männlichkeitsanforderungen
Ort: drinnen
Material: ausgedruckte Arbeitsblätter
30 min
Das Konzept der hegemonialen Männlichkeit (Connell) geht davon aus, dass es verschiedene Konstruktionen von Männlichkeit gibt, die zueinander in einem hierarchischen Verhältnis stehen. Das Ideal hegemonialer Männlichkeit ist dabei unerreichbar – Jungen können darin nie „männlich genug“ sein.
Diese Erwartungen an sich selbst sowie die damit verbundenen Normen zu reflektieren, ist ein zentraler Schritt, um eine Vielfalt von Männlichkeiten erkennen und zulassen zu können.
Ziel: Verschiede Gefühle kennenlernen und benennen können
Ort: überall wo sich Jungen sicher fühlen
Material: Ausgeschnittene Kärtchen oder selber schreiben
15 min
Jüngere Jungs können ihre Gefühle in der Regel noch gut benennen. Unter Tränen erklären sie, was sie traurig macht, wovor sie Angst haben, aber auch, was sie glücklich oder stolz macht. Diese Fähigkeit geht im Verlauf der Pubertät oft verloren. Viele Jungs verlieren zunehmend den Zugang zu ihren Gefühlen, und nicht selten wird Wut zur dominierenden Emotion.
Gerade für die psychische Gesundheit von Jungen und im Kontext der Gewaltprävention ist es entscheidend, dass sie ihre Fähigkeit zur Gefühlswahrnehmung beibehalten. Jungs sollen lernen, ihre Emotionen zu spüren, einzuordnen und zu verbalisieren. Nur so können sie konstruktive Wege im Umgang mit sich selbst und anderen entwickeln.
Ziel: Vielfalt von Männlichkeiten aufzeigen. Auseinandersetzung mit Erwartungen
Ort: überall, wo sich Jungen sicher fühlen
Material: A4 Blätter und Stifte
30 min
Sei stark, sei immer souverän, setz dich durch! Jungs sind oft mit gesellschaftlichen Anforderungen an Männlichkeit konfrontiert. Diese sind teilweise unrealistisch und für viele Jungs kaum erreichbar. Zudem zeigt diese Methode den Jungs auf, dass dies häufig gar nicht die Eigenschaften sind, die sie selbst an anderen Männern schätzen.
Die Methode zeigt ein Spannungsfeld zwischen Männlichkeitsanforderungen auf, die Jungen glauben erfüllen zu müssen und den Eigenschaften, die Jungen persönlich wertschätzen. Dadurch werden stereotype Männlichkeitsbilder reflektiert und mögliche Widersprüche zwischen gesellschaftlichen Idealen und persönlichen Vorstellungen sichtbar gemacht. Gleichzeitig fördert die Methode die Wertschätzung vielfältiger männlicher Eigenschaften und eröffnet den Jungs alternative Perspektiven auf Männlichkeit.
Ziel: Grenzen setzen, Grenzen akzeptieren können, Verantwortungsübernahme
Ort: drinnen in einem grossen Raum oder draussen
Material: Bälle und alles, was man werfen kann
15 min
Jungs überschreiten immer wieder Grenzen, ihre eigenen und die von anderen. Es ist daher wichtig, nicht nur die Grenzen zu kennen (siehe Methode «Mein Garten»), sondern auch sie zu benennen und zu verteidigen. Denn oft werden die Grenzen des Gegenübers missachtet und Dinge getan oder zugelassen, die Jungs nicht gut tun. Das kann verletzend und gewaltvoll sein oder – bei geringeren Grenzverletzungen - die Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit der Jungen einschränken.
Ziel: Grenzen aufzeigen und Grenzen respektieren
Ort: überall, wo sich Jungen sicher fühlen
Material: keins
15 min
Jungs überschreiten immer wieder Grenzen. Die männliche Sozialisation ist eng mit Hierarchien verbunden, in denen sich Jungs bewegen. Diese werden oft in den „ernsten Spielen des Wettbewerbs“ hergestellt und ausgetragen (wie sie der Soziologe Pierre Bourdieu beschreibt). Genau in diesen Spielen werden die Grenzen des Gegenübers und auch die eigenen häufig missachtet. Denn um in der Hierarchie der Männlichkeit unter den Jungs weit oben zu stehen, darf keine Schwäche gezeigt werden, Grenzen nicht akzeptiert und auch ein "Nein" nicht akzeptiert.
Ziel: Reflexion von Gewaltvorfällen aus der eigenen Lebenswelt
Ort: überall, wo sich Jungen sicher fühlen
Material: Kärtchen mit echten Vorfällen oder Beispielen OH BOY* sowie Pdf Gewaltpyramide
ab 30 min
Jungs ist oft nicht bewusst, dass das Verhalten, das sie im Alltag in ihrer Lebenswelt zeigen z.T. gewaltvolles Verhalten ist. Um in ihrer Peergruppe dazu zu gehören, anerkannt zu werden und eine angesehene Position zu erlangen, greifen Jungs auf grenzüberschreitendes und gewaltvolles Verhalten zurück. Oft wissen oder realisieren sie auch nicht, dass und wie Mädchen Gewalt erleben.
Ziel: Sicherer Raum schaffen, um sich Themen und Konflikten mutig zu stellen.
Ort: überall, wo sich Jungen sicher fühlen
Material: Verhaltenskodex – Papier und Stifte
ab 30 min
Aus der Praxis beobachten wir häufig, dass Jungen zunächst stark in Konkurrenz zueinanderstehen. Wer ist der Frechste? Wer ist der Lauteste? Wer ist der Mutigste? Solche Dynamiken erleben wir regelmässig in den Workshops von OH BOY*.
Aus der Praxis wissen wir aber auch, dass viele Jungen grundsätzlich den Wunsch nach Austausch haben und ein grosses Interesse an persönlichen und tiefgründigen Gesprächen mitbringen. Oft können diese Gespräche jedoch nicht stattfinden, da Jungen unter dem Druck stehen, Männlichkeit performen zu müssen.
Die Angst vor Ablehnung, Beschämung oder dem Verlust von Status innerhalb der Gruppe erschwert es ihnen, persönliche Gedanken, Unsicherheiten oder Gefühle zu teilen. Es kommt jedoch oft der Moment, in dem sie erzählen möchten und persönliche Themen zur Sprache bringen.